teamwork africa – germany e.v.

The Trek – von Köln nach monrovia

7000km waren geplant – 9000km sind es geworden
1 Monat Zeit
Das Ziel – Einen Lada Niva von Deutschland nach Liberia zu bringen.

Tag 1

1000 Sachen sind noch vorzubereiten und kurz vor der Abreise habe ich immer noch nicht meine Sachen gepackt, der Wagen ist noch nicht betankt und das Bett im Dachzelt noch nicht bezogen. Ich bin sagenhaft nervös weil mir die Zeit weg zu laufen droht.
Zusätzlich habe ich die letzten Nächte wenig geschlafen (Nervosität und Dienste). Die ersten Freunde tauchen auf um uns zu verabschieden. Ich bin immer noch lange nicht fertig und arbeite hektisch und unorganisiert weiter. Endlich ist alles gepackt, und nach stürmischen Umarmung (für die ich gefürchtet bin) und einem kurzen Gebet geht es los.

Aber es ist schon fast Mitternacht, ich bin völlig übermüdeten und wir haben 1800 km als erste Etappe vor uns.
Um die Technik zu schonen beschließen wir das Auto nicht schneller als 100 km pro Stunde zu fahren.
Der Entschluss fälltt uns leicht da der Lada sowieso kaum schneller fährt.
Es ist kalt, es regnet und der Dachaufbau macht bei 80 km/h einen höllischen Lärm, so können wir unmöglich stundenlang fahren. Michael versucht alles besser zu verzurren aber ohne Erfolg. Zum Schluss kommt er auf die Idee in einer Tankstelle Pappbecher zu besorgen und damit alles zu Polster.

Diese Notlösung funktioniert so gut das wir sie bis jetzt belassen haben. Selbst der Mistral ( sehr starker örtlicher Wind) konnte diesem Provisorium nichts anhaben.

Wir kommen nur sehr langsam voran und es wird immer deutlicher dass wir nicht nur eine Nacht sondern auch die nächste Nacht erneut durchfahren müssen. Wir haben leider keine Möglichkeit langsamer weiter zu fahren da die Fähre nach Marokko für Montag früh gebucht ist. Es macht sich zunehmend Erschöpfung breit.

Unser Rhythmus: Einer fährt und einer schläft auf dem Beifahrersitz, das funktioniert leidlich gut.


Hinzukommt das ich französisches Essen nicht besonders mag, so dass ich innerhalb des Tages stattdessen eine ganzes trockenes Weißbrot auf esse. Michael (der mit Freuden die französischen Leckereien ausprobiert) wundert sich nur über meine kindliche Essensverweigerung.

Die Stunden Vergehen und das einzige aufregende ist ein defekter Blinker am Anhänger den Michael schnell repariert.

Unser Gefährt erregt auch viel Aufmerksamkeit, unter anderem auch den Lokalpatriotismus einiger Russen. Sie schwärmen lautstark über die Qualitäten des Lada und bezeichnet ihn als „beste Auto der Welt“ um anschließend in ihren Mercedes zu steigen und weg zu fahren.

Es wird einfach nicht wärmer, wir frieren erbärmlich jedes Mal wenn wir das Auto verlassen, was auch an dem Schlafmangel liegen kann.

Ich erlebe zum ersten Mal den Mistral. Von diesem starken Wind habe ich schon viel gehört. Er macht das fahren im übermüdeten Zustand sehr unangenehm. Und anstrengend. Wir können beide nicht mehr, glücklicherweise neigt sich nun langsam die zweite durchfahrene Nacht dem Ende zu. Michael schläft und ich werde immer müder. In meiner Verzweiflung fange ich an zu singen. Das klingt scheußlich und ich hoffe dass Michael das niemals kommentieren wird. 🙈
(Anmerkung von michael … ich habe geträumt das eine katze unter qualen geqäult jault)
Mit letzter Kraft (ich fange schon an zu Halluzinieren erreichen wir das Etappenziel, das Wohnhaus meiner Mutter.
Aber welches Haus ist das richtige, ich war bisher noch nicht hier. Ich schicke Michael voraus mit der Bitte zu schauen welcher Name auf dem Türschild steht. Wir sind falsch, hier wohnt eine Familie Timbre. Verzweifelt rufe ich meine Mutter an die uns erklärt dass wir sehr wohl richtig sind, Timbre ist spanisch und heißt Klingel! Scheinbar ist es in diese Gegend unüblich seinen Namensschild an der Hauswand zu montieren. Aber warum ein Schild neben der Klingel mit dem Hinweis dass das eine Klingel ist🤔

Tag 2

Am Vortag waren wir völlig fertig bei meiner Mutter in Spanien angekommen. Nach einem erstaunlich erholsamen 4 Stunden Schlaf gab es einen Luxus-Brunch 😍. Nach einem viel zu umfangreichen Essen
und umfangreichen Umarmungen (ihr wisst schon Umarmen ist mein Ding 😊) zogen wir wieder auf die Piste.

Leider brach bei Michael der Fotografiervirus wieder durch.
Die Anzahl der fotografierwürdigen Gegenstände überstieg bei weitem meine Geduld 🙄. Zum Glück wurde es rasch wieder dunkel,
was die Ablichtung südspanischer Gegenstände beendete.

Die Landschaft wird zunehmend bergiger und unser voll beladener Lada quält sich mit 60 km/std die steilen Anhöhen hinauf um kurz darauf mit aller Wucht bei der nächsten bergab Passage die Leistungsgrenze der Bremsen zu testen. Zum Glück ist es dunkel und das sicherlich umwerfende Panorama bleibt Michael verborgen. So kommen wir doch ganz gut voran.
Wieder erwarten hält die Technik durch und wir erreichen Tarifa.


Dort wollen wir am nächsten Tag mit der Fähre nach Afrika übersetzen.
Die Hafenanlagen ist viel kleiner als ich dachte. Es gibt hier nur die 2 Fähren. Da bin ich von der Überquerung nach England anderes gewohnt.
Es ist deutlich wärmer geworden, aber der Wind weht stark und kräftig so das wir doch bald wieder frösteln.

Zeit das Dachzelt aufzubauen. Komisches Gefühl so einfach neben der Straße zu schlafen. Aber um einen besseren Platz zu finden reicht unsere Energie nicht aus. Hoffentlich ist wildcampen hier nicht verboten …. Hoffentlich wird der Wind nicht noch stärker…. Hoffentlich finden uns keine kriminellen Gestalten. Können Hafenratten eigentlich auf Autos klettern…
…was werde ich morgen früh machen wenn ich nach dem Aufwachen
dringend auf Toilette muss. Immerhin stehen wir mitten in der Altstadt 😳

Tag 3

Der Wecker klingelt und ich habe im Dachzelt eigentlich gut geschlafen.
Als ich mich aus meinem Dachzelt puhle stell ich fest das es draußen wieder kalt ist. Die Morgen-Toilette beschränkt sich daher auf Zähneputzen, der Rest kommt später auf der Fähre. Die Sachen sind schnell zusammengepackt und leicht muffelnd geht es zur Fähre.

Die legt auch schnell ab, bequem am Panoramafenster sitzen geht aber nicht. Michael möchte das Ablegen und die Ankunft Filmen.
Wir stehen also draußen und ich stelle erstaunt fest das man von Spanien aus Afrika sehen kann, und zwar gut!
Gefühlt ist Afrika jetzt sehr nahe.

In Marocco angekommen müssen wir durch den Zoll. Hier wird als erstes das Fahrzeug geröntgt. Dann wird das Auto durchsucht.
Überall sind Drogenhunde. Hoffentlich gibt es keinen Ärger wegen der vielen Medikamente die ich mithabe. Bei der Durchsuchung des Autos wird schnell klar das es hier um 2 Sachen geht:
– Ein Geschenk für die Zöllner und
– Michaels Drohne

Die sind hier strengstens verboten. Die Drohne wird konfisziert
und wir sind froh nur mit einer Verwarnung davon gekommen zu sein.

Michael bleibt den ganzen Tag geknickt. Es ist weniger der Wert der Drohne
die ihn belastet, sondern all die tollen Aufnahmen die er jetzt nicht machen kann.

Es vergeht etwas Zeit mit tanken, Toilette und besorgen einer Telefonkarte……
die Toiletten sind zunehmend eine Herausforderung 🤢
ich erspare euch hier Details, aber es gibt keine Seife
um die Hände zu waschen. Ich hoffe ich muss hier keinem die Hand geben…..

Während ich mit der Hygiene auf der Toilette kâmpfte
hat ein Handwerker den Steinschutz vor die Scheinwerfer montiert
den ich noch dabei hatte.
Schade um das Geld.
Er leistet so schlechte Arbeit das wir wohl alles nochmal werden machen müssen.

Es geht endlich los und wie.
Perfekt ausgebaute Autobahnen. Ärgerlich sind nur die ständigen Mautstellen an denen man aber nur klecker Beträge
bezahlen muss. Es geht so gut voran das wir beschließen bis Marrakech durchzufahren. Michael nickt ein und schafft es 2 Stunden so fest zu schlafen das er 2 Mautstellen und einmal tanken verschläft.
Wow, so einen Schlaf hätte ich auch gern 😊.

Daran kann man aber auch die sich aufbauende Erschöpfung erkennen.
Also Zeit für etwas Comfort!
Marion schafft es innerhalb 1 Stunde uns in einem Hammam
( traditionelle orientalisches Hotel) ein Zimmer mit Wachmann für das Auto zu suchen. Michael verfällt wieder in Fotografierwut
und es dauert etwas bis er jede Ecke des Hotels bewundert
und abgelichtet hat.


Wir genießen die Dusche und einen schönen Abend im Gästeraum
bis es Zeit zum schlafen ist. Nach einer Nacht im Dachzelt
ist frisch geduscht in einem Bett zu liegen schon was feines 😊 !

Tag 4


Nach einem marrokanischen Frühstück (Orangensaft, Fladenbrot, Pfannkuchen, Marmelade und starker Kaffee) gingen wir schnell zu unserem Auto zurück. Um 8 Uhr wollte der Wachmann Schluss machen und wir mussten Ihn noch für das bewachen des Autos bezahlen.


Er freute sich sehr uns zu sehenund zeigte Stolz das unversehrte Auto.
Beim bezahlen wird plötzlich der vereinbarte Preis verdoppelt,
wir sind ja schließlich 2 Leute
(klar das 1 Auto von 2 Leute zu bewachen ist ja viel anstrengender
als 1 Auto von einer Person) ich bezahle da der Betrag trotzdem niedrig ist.


Es geht zügig weiter auf gut ausgebauter Straße bis zum nächsten Tankstop.
Hier fällt uns auf das der Dachgepäckträger sich gelockert hat
und nach hinten gerutscht ist.


Wir müssen also den Dachträger leer räumen, neu justieren und alles wieder befestigen. Die ganze Aktion dauert über 2 Stunden
in der heißen Mittagshitze.


Mir ist danach ganz schlecht und ich muss erstmal im Schatten abkühlen. Michael steckt das ganze ziemlich unbeeindruckt weg, obwohl er den Löwenanteil der Arbeit erledigt hat.
Gut das wir alles justiert und neu verteilt haben. Die guten Straßen hören schlagartig auf und es geht einen steilen Pass hinauf.
Wir schaffen ihn zum Teil im 2 Gang wobei der Lada bedenklich heiß läuft.
Fenster auf, Heizung an und Michaels Gejammer übt das ständig zu heiße Auto ignorieren. Er hat aber recht, da ich die ganze Reise ständig friere
und die Heizung andauernd aufdrehe.
Hier hat es aber zur Abwechslung einen technischen Grund, da muss er halt durch. Nach dem steilen Anfahrt kommt
eine ebenso steile Abfahrt bei der ich Blut und Wasser schwitze,
schließlich haben wir unser Auto und Anhänger bis auf das außerste beladen. Aber alles geht gut.


Am Ende der Passtraße steht plötzlich ein Schild Campingplatz…. Hier? Mitten im nichts?
Da es schon dämmert beschließen wir hier zu übernachten.
Die Übernachtung kostet für das Auto und 2 Personen
zusammen 5,50€.
Wir bleiben, das können wir uns leisten

Auf dem Campingplatz angekommen stellen wir fest
das der Dachgepäckträger wieder verrutscht ist. Jetzt im Dunkeln können wir nichts machen aber morgen früh müssen wir uns etwas neues Überlegen.

5. Tag
Ich bin früh aufgewacht. Es schläft sich ganz gut im Dachzelt.
Michael schläft auch noch tief und fest, ich mag ihn nicht aufwecken.
Ich beschließe daher einfach liegen zu bleiben und komme so ins grübeln was wir mit dem Dachgepäckträger anstellen sollen.
Es scheint kein Weg daran vorbeizuführen: Wir müssen erneut alles Abladen und konsequent alles schwere in den Wagen packen.
Alles was leicht ist kann dann auf das Dach. Als Michael wach wird legen wir los. Das ganze dauert erneut über 2 Stunden. Durch das ständige Aufschrauben und erneut Festschrauben der Dachkonstruktion kommen zu den Blasen an den Händen heute noch ein Paar dazu.

Endlich können wir los und der Dachaufbau scheint zu halten. Die Straße ist wieder gut
und wir kommen gut voran. Plötzlich winkt uns ein Polizist heraus.
Bisher hatten wir immer Glück und sie haben uns durchgewirkt.
Ich bin gespannt was jetzt kommt…… ein Strafzettel…

Ich bin in einer 60 Zone 69 km/h gefahren. Hier mitten in der Wüste habe ich nicht mit einer Geschwindigkeitskontrolle gerechnet.
Ich zahle umgerechnet 15€ und bekomme den Rat besser auf die Geschwindigkeit zu achten. Der Polizist ist sehr höflich, keine Aufforderung zur Bestechung und ich bekomme eine Quittung. Vorbildlich!


Ein Teil des Dachträgers löst sich ständig und blockiert die Beifahrertür.
Im nächsten Dorf fragen wir einheimische nach einer Werkstatt. Der gefragte setzt sich sofort aufs Mofa und ist bereit uns bis zur Werkstatt zu begleiten. In der Werkstatt angekommen versammeln sich alle möglichen Ratgeber, der eigentliche Mechaniker lässt sich aber nicht irritieren und liefert sehr saubere Arbeit ab.

Hoffentlich ist das Problem damit endgültig aus der Welt geschafft. Die Wüste wird immer einsamer. Die ersten Sanddünen tauchen auf
und Michael übt das fahren auf Sand. Jedenfalls so lange bis ich einen Panikanfall bekomme als wir rutschen und es kategorisch verbiete.
Michael bleibt davon sehr unbeeindruckt und versicherte mir
dass dies eine notwendige Übung für kommende Gefahrenmomente sei.
(Wie sich dann auch heraus stellte, fuhr sich Stephan ein wenig später direkt im Sand fest… und ich durfte das Vehikel dann wieder befreien)


Mitten in der Wüste, wir fahren auf der einzigen Straße in weitem Umkreis, schaltet sich das Navi ein und versicherte uns dass eine schnellere Route gefunden wurde und wir 13 Minuten Fahrzeit einsparen. Wir brechen beide spontan in lachen aus. Wir werden weiterhin am Anfang und am Ende jeder Ortschaft und gelegentlich auch zwischendurch von der Polizei überprüft.
Gewissenhaft wird an jeder Stelle der Ausweis kopiert und unsere Fahrzeug-Daten notiert. Mehrfach versichert man uns dass dies zu unserem eigenen Schutz geschieht damit man weiß wo man suchen muss falls wir nicht ankommen.


Wir kommen gut voran und beschließen bis in die Dunkelheit weiter zu fahren. Einer von uns beiden (nicht der Angsthase) möchte heute Nacht in der Wüste übernachtet. Er möchte eine Nachtaufnahme in völliger Dunkelheit machen. Wer versteht schon die Wünsche eines Fotografen, ich gebe klein bei – ein Arzt kann das jedenfalls nicht – sein Horizont hört bei Röntgenbildern auf.


An Platz in der Wüste mangelt es nicht, eher an einen Ort
an dem man nicht mit dem Fahrzeug im losen Sand versinkt. (Wofür man einen Offroader hat, verstehen Ärzte wohl auch nicht…)
Wir finden eine Einfahrt (wohin?) und Schlagen das Dachzelt auf.
Viel machen kann ich dort nicht, es ist zu kalt und zu windig (und zu dunkel). Also gehe ich rasch ins Bett und hoffe dass keines der vorbeifahrenden Autos uns sieht und Michael nicht allzu weit von der Straße weg geht (in der Westsahara soll es noch Landminen geben) …..

Tag 6


Nach einer einsamen Nacht in der Wüste sind wir beide früh aufgewacht.
Es war windig, kalt und dunkel. Frühstück zubereiten geht so nicht.
Wir planen deshalb an der nächsten Tankstelle zu frühstücken.
Die hat aber so früh noch zu. Die nächste Tankstelle auch. Einen passenden Platz zum Frühstücken finden wir erst nach 250 km.


Ein paar Häuser mitten in der Wüste, eine Tankstelle und ein….. ja was ist das? Eine Mischung aus Imbiss und Café. Wir bestellen Pfannkuchen und Caffee. Zusätzlich serviert der Wirt eine lokale Spezialität:
Grießbrei mit eine Schuss Olivenöl obendrauf. Es soll gut für Magen und Darm sein. Ich hatte tatsächlich keine Magen-Darmprobleme ( hatte ich vorher aber auch nicht)
Während wir unseren Kaffee trinken beobachten wir einen Mann der Mühe hat seine meterhohe Last auf dem Dach zu sichern.
Spontan schenken wir ihm eines unsere Reserveseile. Er ist sichtlich gerührt und bedankt sich überschwenglich.

Danach ging es wieder in die Wüste. Im Windschatten vom Auto war es so warm das ich meine mobile Dusche auspacken konnte. Es ist eine wieder aufladbaren Pumpe mit angeschlossener Brause. Hat ganz gut funktioniert,
nur gibt es in der Wüste halt keine Bäume hinter denen du dich verstecken kann. Und gerade im delikatesten Moment kommt ein Auto laut hupend vorbei.


Nach dem Duschen und dem Umkleiden fühle ich mich aber wieder wohl.
Weiter geht es. Außer Tanken machen wir kaum Pausen.
Die Gegend ist so ungastlich, der Wind so kalt und voller Sand das man sich im Auto am wohlsten fühlt. Die Kilometer zieht sich endlos dahin. Nichts als Sand und Sandverwehungen. Weit und breit keine Spur von Leben. Ich kämpfe mit wiederkehrende Panikattacken, was ist wenn wir hier eine Autopanne haben. Was wenn wir einen Unfall haben, wer soll uns hier helfen. Michael aber bleibt die Ruhe in Person.


Das Auto zu verlassen ist kaum noch möglich. Der kalte sandige Wind ist extrem unangenehm. So fahren wir einfach weiter. Im letzten Dorf vor der Grenze treffen wir einen russischen UNO Beamten. Er kann sich gar nicht mehr einkriegen beim Anblick eines Lada in der Wüste. Er betont wiederholt, dass er im Nachbarort der Produktionsstätte groß geworden ist,
jetzt fährt er aber lieber einen Toyota. Ist zuverlässiger meint er. Sehr motivierend…


Wir erreichen die Grenze nach Mauritanien kurz nachdem die Grenze
für die Nacht geschlossen wurde. Jetzt müssen wir über Nacht hierbleiben.
Hier laufen seltsamer Typen rum. Von einem halbe offiziellen Security
bekommen wir einen bewachten Platz für die Nacht zugewiesen.
Michael möchte auf keinen Fall so einfach einschlafen und beschließt im Auto Wache zu halten. Ich genieße den Luxus jetzt doppelt Bewacht im Dachzelt zu schlafen. Und ich schlafe auch tatsächlich trotz des Dauerlichtes des und des Lärms bis morgen Früh um sieben durch.

Tag 7
Die Grenze nach Mauretanien öffnet um neun. Eine Möglichkeit
vernünftig zu frühstücken besteht nicht. Ausser gegrilltem Schaf, oder möglichen Strassenhund, reduziert es sich nur auf in Plastikverpacktes irgendwas, was nicht unbedingt den Appetit anregt.

Der Ausreise von Marokko gestaltet sich doch recht organisiert
wenn auch langwierig. Daran erkennt man einen modernen Staat, denn Marrokko erwies sich zwar als sehr Gastfreundlich, spannend und überaus günstig, was aber mit einer starken verwestlichung einhergeht.
Unser Wagen wird mal wieder geröntgt und wir müssen zu einigen Gegenständen Rede und Antwort stehen. Endlich können wir weiter.
Jetzt beginnt das 6 km lange Niemandsland. Dieses Land wird weder
von Marokko noch von Mauretanien verwaltet sondern von übrig gebliebenen Westsaharies und der UNO. Sprich ehemaliges Kriegsgebiet, welches den letzten Flüchtlingen unterschlupf gewährt.


Diese Menschen können dieses Niemandsland weder in die eine noch in die andere Richtung verlassen und Leben in armseligen Blechhütten und Autowracks.


Es gibt keine Straße. Man muss sich seinen Weg durchs Gelände selber suchen. Michael steigt aus um das Postapokalyptische Szenario
mit verlotterten Gestalten, einfachsten Papp- und Blechhütten sowie endlosen Autowracks zu fotografieren.
Ich sammle erste Offroad-Erfahrungen und bleibe spontan in einem Sandhaufen stecken.


Nichts geht mehr.
Michael sieht das ich mich im Sandhaufen festgefahren habe und versucht ebenfalls sein Bestes um uns frei zu bekommen.
Nichts will gelingen. Der Lada schafft es einfach nicht sich und den versunkenen Anhänger zu befreien…
Zwei Westsaharie und zwei Briten eile zur Hilfe. Mit ausgeliehenen Sandrampen und viel Muskelkraft kommen wir frei. Den Anhänger mussten die Jungs eine ganze Ecke ziehen…während der Lada leichtfüßig über den Sand fuhr…
Wir folgen jetzt einem Westsahari der einen besseren Weg kennt und vor unserem Auto her rennt.

Der Grenzübergang zu Mauretanien ist ein logistisches Abenteuer.
Ohne die Hilfe unserer Westsaharies ist kein durchkommen möglich.
Wir müssen in verhörartige Zimmer und wundern uns sehr dass in dieser sandigen und staubigen Umgebung überhaupt Computer funktionieren.
Schließlich gelingt es alle Papiere zu ordnen und wir dürfen weiterfahren.
Ich hatte große Hoffnungen in Mauretanien gesetzt, dass wir hier die Wüste hinter uns lassen würden. Das Gegenteil ist aber der Fall.
Das Land ist nicht so einsam wie die Westsahara, aber es bleibt ein Wüstenland. Nur der Wind ist endlich warm geworden.


Die Straßen sind endlos gerade, den Horizont kann man immer
in alle Richtungen sehen. Es gibt fast keine Vegetation.
Die Straßen sind deutlich schlechter als in Marokko und immer wieder müssen wir über Sandverwehungen fahren.
Wir stellen wiederholt fest dass unsere Reifen für Sand gar nicht gut taugen. Wenn das so bleibt werden wir die Reifen bald wechseln müssen
Die Monotonie der Strecke wird nur durch ständige Polizeikontrollen unterbrochen.
Die Polizisten sind ausgesprochen freundlich, Saluttieren jedes Mal
und geben uns die Hand bevor sie uns befragen. Wir haben Kopien
unserer Personalausweise vorbereitet, damit die Polizistin nicht so viel schreiben müssen. Das verkürzt die Kontrollen enorm. Wir machen wiederum so gut wie keine Pausen, weil es keinen Grund gibt Pausen zu machen. Es gibt nichts schönes anzusehen und der sandige Wind ist unangenehm. Als es dunkel wird wissen wir noch nicht so recht
wie es weitergehen soll. Verstecken um zu Campen kann man hier nicht.
Schließlich entscheiden wir uns an einer Polizeikontrolle zu fragen
ob wir hier übernachten dürfen und schlagen unser Zelt auf.

Tag acht


Wir wachen auf neben der Polizei- Kontrollstelle und stellen fest, dass wir hier nicht die einzigen sind. Einige Fahrer von kleinen Bussen und Lastwagenfahrer haben ebenfalls hier halt gemacht. Wir wollen Kaffee kochen, aber der Gasofen funktioniert nicht und als er endlich funktioniert
kippe ich alles um …

Wir verlieren die Lust an Kaffee und beschließen einfach weiter zu fahren.
Anfangs sind die Straßen noch sehr gut. Das Land ist eben und man kann auf allen Seiten bis zum Horizont sehen. Es wächst nicht viel, und die Besiedlung ist nur sehr spärlich.


Die Weite und Monotonie wird nur durch die ständigen Polizeikontrollen unterbrochen. Inzwischen wissen wir wie es funktioniert, eine Kopie des Ausweises herausreichen und das nächste Ziel durchgeben und innerhalb von 1 Minute darf man weiter. Die Polizisten hier sind aber alle samt ausgesprochen nett, salutieren und reichen jedem die Hand. Ich habe mich vorher noch nie mit Mauretanien beschäftigt und hatte eigentlich gedacht es sei ein eher tropisches Land.(Es wird oftmals als kleiner Orient Afrikas beschrieben, wie wir später erfahren, ist dies auch so, wenn man weiter abseits der N Routen unterwegs ist).
Jetzt bin ich enttäuscht, dass wir immer noch in der Wüste sind und dass der staubigen Sand überall, absolut überall vorhanden ist. Tanken ist schwierig. Wir haben es nicht geschafft rechtzeitig Geld zu tauschen
und der Bankautomat funktioniert nicht mit unseren Karten.
An der Tankstelle ist der Sprit entweder ausverkauft oder fremde Währungen werden nicht akzeptiert. Endlich finden wir eine Tankstelle
und wundern uns dass der Spritpreis so gestiegen ist.
Es bleibt unklar, ob wir betupt worden oder der Spritpreis in Mauretanien
wirklich so hoch ist. Für das zweite spricht, dass man hier kaum Autos sieht. Die Straßen werden immer schlechter, ich kann hier das fahren
und der Vermeidung von Schlaglöchern üben. Der Schwierigkeitsgrad
steigt mit jedem Kilometer nach Süden. Plötzlich werden wir von einem Auto überholt und zum halten gezwungen.
Der Fahrer redet auf gebrochenem Englisch auf uns ein, dass wir keinesfalls zum geplanten Grenzübergang nach Rosso fahren sollen.
Das sei zu gefährlich. Stattdessen bietet er uns an uns für zehn Euro
zu einem alternativen Grenzübergang zu bringen. Wir sind anfangs etwas skeptisch hatten aber in verschiedenen Reiseberichten schon ähnliches gehört. Deshalb gehen wir auf seinen Vorschlag ein.
Er fährt mit uns bis in sein Dorf und sagt wir sollen hier Geld tauschen.
Da wir aber nur noch einen 100 € Schein haben findet sich keiner der einen so großen Betrag tauschen will.
Von hier ab möchte Mohamad bei uns im Auto mitfahren, und die weitere Fahrt sei plötzlich 50 € kosten. Ich bin deutlich verärgert und zeige das auch.


Er redet lange auf uns ein dass dies wirklich die beste Alternative sei
und zähneknirschend willige ich ein. Jetzt sitzen wir zu dritt vorne im Lada. Mohamad lacht und sagt das sei in Afrika so üblich. Er führt uns auf eine unbefestigte Straße. Nach 10 m halte ich erbost an und sage dass ich keinesfalls eine so schlechte Straße fahren möchte. Wenn etwas am Auto kaputt geht ist unsere Reise zu Ende. Er versicherte mir das die Straße gleich wieder besser wird, so willige ich zur Weiterfahrt ein.
Die Straße wird nicht besser. Ich quäle mich die aller schlimmsten Passagen zu überwinden. Mohamad macht mir deutlich klar, dass ich ein schlechter Autofahrer bin. Wen wundert es, wo Abseits der Straße fahren in Deutschland verboten ist. Mohamad will unbedingt selber fahren,
und tatsächlich, er kann es deutlich besser als ich. Ich schwitze dennoch Blut und Wasser und habe Angst dass das Fahrzeug zu stark leidet. Außerdem frage ich mich ständig wie es passieren konnte, dass ich zwischen zwei Männern eingeklemmt auf dem Handbremshebel sitze
und unangeschnallt mit halsbrecherischen Tempo auf einem Feldweg fahre.


Mohamad Schlägt sich ständig gegen die Brust und betont was er doch für ein guter Fahrer sei. Ich bin genervt, dass jetzt schon 2 Alpha-Tierchen im Auto sitzen.


Während dieser improvisierten offroad Rallye fahren wir auch durch einen Nationalpark. Eine Schande dass wir keine Zeit haben, hier wären Tausende von Motiven für Michael gewesen. Am Ende des Parks
müssen wir noch jeder fünf Euro Parkgebühr bezahlen, für einen Park in den wir nie hinein wollten. Die Parkwächter akzeptieren keine Euro, nach langem lamentieren und verschenken von 2 T-Shirts nehmen Sie das Geld dann doch wiederwillig.


Es wird klar dass es an der Grenze knapp wird.
Sie schließt um 6:00 Uhr abends.
Mohamad beschleunigt noch etwas mehr um es rechtzeitig zu schaffen…..
Die letzten Meter sind die schlimmsten, endlich sind wir da und außer meinem Selbstbewusstsein hat scheinbar nichts gelitten. An der Grenze das übliche Chaos nur dass wir hier noch mehr Geld bezahlen müssen als üblich. Bis wir endlich auf der senegalesischen Seite sind.

Der Senegal ist das absolute Kontrastprogramm. Gute Straßen,
tanzende Menschen auf den Straßen, bunte Lichter und die Stadt durch die wir durchkommen (San Louis) sieht wunderschön aus.
Wir beschließen dass es Zeit für etwas Luxus ist und verbringen die Nacht in einer Lodge.
Ich wusste gar nicht wie schön duschen sein kann. Die positive Atmosphäre
springt auch auf Michael über, der sich im Schlaf mehrfach nachts an mich kuschelt. Naja, irgendwas ist ja immer…..Ich muss morgen ein ernstes Wort mit ihm reden.

Tag 9


Wir wache auf in einer wunderschönen Lodge …..

und ich habe Kopfschmerzen, schon wieder. Dies ist der dritte Tag in Folge.
Ich kann unmöglich schon wieder so viele Medikamente nehmen.
Ich traue mich nicht weiter zu schlafen, weil davon erfahrungsgemäß
die Kopfschmerzen schlimmer werden. Irgendwann gehe ich zum Auto
und hohle doch die Schmerztabletten. Die Kopfschmerzen
lassen aber nicht nach. Ich beschließe sie erstmal zu ignorieren und wieder duschen zu gehen. Duschen zu können empfinde ich inzwischen als solchen Luxus, dass ich versuche zu duschen, wann immer es möglich ist.

Man muss zum Thema duschen anmerken, das wir in Deutschland schon echt verwöhnt sind, und tägliches duschen wahrer Luxus ist…
…jetzt nehme man noch Sand, Hitze und Wind hinzu, verschwitzt, klebrig und den Dreck in jeder Pore, kann man gut nachvollziehen wie es sich nach ein paar Tagen anfühlt…
Wir treffen uns beim Frühstück, wo Michael geduldig auf mich gewartet hat.


Als erstes gibt es seit 2 Tagen zum ersten mal wieder
einen Kaffee……. 10 Minuten später sind meine Kopfschmerzen weg
und ich fühle mich wie neugeboren.
Leide ich etwa nur unter Koffeinmangel? Wir lassen uns Zeit beim Frühstück und genießen noch mehrere Kaffee. Eine Katze hat Michael zu ihrem neuen Besitzer ausgesucht und folgt ihm auf Schritt und Tritt. Sie Versucht ständig auf seinem Schoß zu liegen. Am liebsten würden wir
länger hierbleiben, weil sich dies wie ein sicherer Hafen anfühlt.
Aber wir müssen wieder raus auf die Straße. Vorher wollen wir aber das Auto noch mal überprüfen. Ein Scheinwerfer vorne links hat geflackert,
die Anhängerkupplung muss gefettet werden, wir haben eine Radnabenabdeckung am Anhänger verloren, der Luftfilterkasten
muss vom Sand befreit werden und und und.


All dies dauert bis in die Mittagsstunde. Erst um drei sind wir wieder
auf der Straße und fahren Richtung Dakar. Erst mal tanken.
Wir finden eine moderne Shell Tankstelle die auch Euro annehmen wollen.
Sprit ist hier weiterhin teurerer als in Deutschland. Es kommt nach dem tanken aber zu einer Diskussion mit dem Tankwart. Der Tankwart erhält 50€ und gibt Michael ein Bündel senegalesische France.
Michael hält das für das Wechselgeld nach bezahltem tanken. Der Tank-wart hat aber erst die Euro umgewechselt und möchte nun im zweiten Schritt für das Benzin in lokaler Währung bezahlt werden. Es ließ sich aufklären und wir gehen als Freunde auseinander.
Die Straße ist so gut, man könnte in Europa sein.
Wir sehen die ersten Elefantenbäume die Michael natürlich ausgiebig fotografieren muss. Ich muss lachen, für die einheimischen hat es sicherlich
völlig anders gewirkt:
Ein Auto hält an. Ein weißer steigt aus.
Er geht aufs Feld und hockt sich hin.
Was werden die wohl gedacht haben…….

Wir sehen inzwischen die ersten Affen die zwischen den Bäumen auf die Straße schauen. Wir sind ganz aufgeregt, Michael schafft es aber nicht sie zu fotografieren da wir nirgendwo anhalten können. Auch hier finden regelmäßige Polizeikontrollen statt. Die Polizisten haben aber wenig Interesse an uns. Lediglich zweimal werden wir angehalten und als sie merken dass wir kein französisch können schicken Sie uns genervt weiter.
Im Senegal sind überall Bodenwellen in die Straße eingebaut worden zur Geschwindigkeitsbegrenzung. Für uns sind die aber eine Herausforderung
da durch die starke Beladung des Lada die Anhängerkupplung hier aufsetzt. Wir müssen sehr langsam darüber fahren.
Auf halber Strecke läßt meine Konzentration nach, ich übersehe einer der nicht markierten Bodenwellen und wir fliegen im hohen Bogen darüber.
Es hat kräftig gerumst und unser Dachgepäckträger hat sich wieder gelockert. Erschrocken halten wir an, Justieren und befestigen alles erneut.
Ich mache mir große Sorgen wegen der kommenden straßenlosen Strecken.
Wird der Dachgepäckträger das durchhalten? Es wird schnell Abend
und wir kaufen an einem der vielen Märkten neben der Straße Wassermelone und Bananen ein.


So richtig haben wir noch nicht raus wie das funktioniert. Ich bin zu schüchtern um überhaupt zu fragen
und Michael traut sich noch nicht zu verhandeln. Wahrscheinlich haben wir die Ware massiv über bezahlt. (Kommentar Michael: Umgerechnet 1,50€ für weit über 20 Bananen und 3€ für 5kg Wassermelone…
…da fühle ich mich im nachhinein richtig abgezockt)


Es wird schnell Abend und wir müssen uns überlegen, wo wir übernachten können. Wir Trauen uns nicht einfach neben der Straße zu campen,
bei den Polizeikontrollen scheint das auch nicht zu funktionieren,
da diese offensichtlich nachts nicht besetzt sind. Wir finden Im Internet die Adresse eines Campingplatzes in Dakar und beschließen dort zu übernachten. Dafür müssen wir einmal quer durch die Stadt. Inzwischen ist es dunkel geworden.


Der afrikanische Fahrstil in Städten bringt mich weiterhin nah an den Zusammenbruch. Das ganze bei Dunkelheit ist aber ein Albtraum. Ich habe hier im Dunkeln wirklich Todesängste. Irgendwann bemerkt Michael meine Panik und übernimmt das Steuer. Er ist härter drauf als ich und lässt einfach ständig das Aufblendlicht + Zusatzscheinwerfer brennen.
(Komentar Michael: Finde mal ein auto hier – das nicht so fährt…)
So sehen wir endlich was und ignorieren einfach die Reaktionen
der uns Entgegenkommenden. Nach 1 Stunde Irrfahrt finden wir den Campingplatz. Was für eine Enttäuschung. Die Zufahrt ist so steil
und voller losem tiefen Sand, dass der Anhänger sich dort festfahren würden. Direkt daneben ist aber ein Hotel.
Die Außenanlage ist wunderschön, die Hotelzimmer aber eher nicht.
Egal.
Wir haben keine Option. Im Dunkeln weiter durch die Stadt zu fahren ist zu gefährlich. Wir Quartieren uns im Gästezimmer ein, versuchen der Mücken her zu werden und machen uns über das leckere Obst her. Mal schauen wie es morgen läuft…

Tag 10


Nach der Übernachtung am Rosa See sitzen wir auf der Terrasse
und frühstücken. Der See ist kein bisschen rosa! Wie er wohl zu seinem Namen gekommen ist? Das Frühstück ist recht spartanisch. Es besteht nur aus Baguette, Instant Kaffee, Butter und Käseecken. AAAAAber es gab warmes Nutella…damit konnte man leben…
Das hat natürlich den Vorteil, dass wir schnell fertig sind und losfahren können.


Wir verlassen Dakar über eine Autobahn. Wir hätten nicht gedacht
so tief in Afrika eine solche Autobahn zu finden. Auf ihr können wir 60 km fahren, danach geht es auf gut ausgebauten Bundesstraßeen weiter.
Kaum auf der Bundesstraße angekommen fällt uns ein klappern auf.
Bei der Inspektion zeigt sich ein gelockerter Auspuff.


Trotz aller Mühe gelingt es Michael lediglich mit Draht und Kabelbinder den Auspuff provisorisch zu fixieren.


Mal schauen wie lange das hält. Zusätzlich fällt auf, dass an der Elektrik des Anhängers ein Kurzschluss besteht. Der Anhänger leuchtet nicht mehr,
ebenso wenig die Blinker unseres Autos. Es gelingt uns nicht am Straßengraben in der Kürze den Fehler zu finden, so fahren wir erst mal weiter. Die Bundesstraße ist sehr gut ausgebaut, so dass wir schnell vorankommen. Heute stellt sich zum ersten Mal so etwas wie Langeweile ein. Die Straße ist nicht anspruchsvoll, gute neue Fotomotive findet sich auch nicht.


So fließen die Stunden dahin und als es dunkel wird stellt sich die Frage
wo wir übernachten wollen. Michael findet die Adresse eines Camping Platzes und unser Navi sagt uns das es bis dahin noch 124 km seien.
Das schaffen wir nicht mehr im Dunkeln mit einem Anhänger ohne Licht.
Wir beschließen daher im nächsten vorbeikommen den Hotel zu übernachten. Erst als wir schon eingecheckt haben fällt uns auf dass unser Navi uns einen Streich gespielt hat. Der Campingplatz wäre nur noch 4 km Voraus gewesen. Schade, wir hätten gerne das Geld für das Hotelzimmer gespart.


Tag 11


Auch in diesem Hotel ist das Frühstück spartanisch. Diesmal besteht es nur aus Brot und Butter. Der Kaffee ist ein Instant-Kaffee und schlichtweg ungenießbar. Zusätzlich sitzen wir in einem abgedunkelten Raum mit Neonlicht der alles gespenstisch aussehen lässt. Die einzige Abwechslung
bietet eine Gruppe holländischer Rentner die offensichtlich eine Safari machen. Was hat die wohl hier her geschlagen. Wir lassen unsere Fanatasie freien Lauf und Denken uns allerlei Geschichten
zu der Gruppe aus. Nach dem Frühstück laden wir den Wagen wieder um
und überprüften den Auspuff.
Er hält!
Wir versuchen den Elektrikfehler zu finden. Er bleibt verborgen,
aber wir können wenigstens alles so ändern, dass der Anhänger nachts beleuchtet ist.
Wir haben schon gestern eifrig diskutiert, welche Grenzübergang
wohl der vernünftigste sei. Wir fragen ortsansässige die uns alle samt den Weg durch den Nationalpark empfehlen aufgrund seiner gut ausgebaut Straße. Die Straße ist klasse und während wir durch den Nationalpark fahren kann Michael allerlei Tiere fotografieren.


Gegen Nachmittag wird die Straße wieder schlechter ist aber noch gut befahrbar. Dann müssen wir Richtung Grenze abbiegen und die Straße wird immer schlechter. Kein Asphalt, wellige Fahrbahn, tiefer Dschungel.
Wir fragen entgegenkommende öfters ob wir wohl wichtig sind, diese bestätigen eifrig, dass dies der Weg zur Grenze ist. Inzwischen gleicht die Fahrstrecke einem offroad Parcour. Ich bin völlig überfordert und Michael übernimmt das Steuer. Nach 2 Stunden kommen wir in ein kleines Dorf an
und fragen nach dem weiteren Weg. Überrascht stellen wir fest
dass dies schon die Grenze ist und der Mann vor uns der Grenzbeamte.
Alle sind wahnsinnig freundlich und ich verteile Plätzchen
( die Kaufland uns gespendet hat) zur Feier dass wir in Guinea angekommen sind.


Die Plätzchen kommen sehr gut an. Die Leute reden alle aufgeregt durcheinander. Zum Schluss findet sich ein Jugendlicher der ein wenig englisch kann. Er erklärte uns, dass die Aufregung nicht Folge der Plätzchen ist, sondern dass man gemeinschaftlich beschlossen hat, dass wir mit unserem Fahrzeug nicht weiterfahren können.
Der Weg ist viel zu schlecht für uns.
Was nun? Nach langer Diskussion wird uns erläutert, dass es wohl einen alternativen Weg auf der anderen Seite des Berges gibt. Nach noch viel längere Diskussion ist man bereit uns einen Führer beiseite zu stellen der uns den Weg zeigt.


Es geht los und wir haben Mühe dem Mann auf seine Motorrad zur Folgen.
Der Weg wird immer schlechter und unser Fahrzeug kommt an seine Grenzen. (Naja…nur Stephan kam an seine Grenzen…der Lada samt Anhänger folgte brav allen Lenkkommandos vom Michael)
Wir sind viel zu stark beladen und haben einen nicht tauglichen Anhänger dabei. (Nach Einheimischen Meinugen, waren wir gerade halb beladen…)
Wir landen bei einer Fabrik im Wald. Hier bleibt bis zum Schluss völlig unklar was eigentlich produziert wird. Die Leute sind aber auch hier
ausgesprochen nett. Auch hier bekommen wir den Rat keinesfalls weiter zu fahren, da die Straße viel zu schlecht sei. Es wird wieder lange diskutiert
und man kommt gemeinschaftlich zu dem Ergebnis, dass lediglich umdrehen und ein 300 km entfernter Grenzübergang für uns infrage kommt.
Inzwischen ist es wieder dunkel geworden.
Was nun, am vernünftigsten wäre es hier bei der Fabrik zu übernachten.
Wir sind beide so enttäuscht, dass all die Mühe umsonst war. Wir wollen unbedingt noch heute wieder aus dem Wald heraus und es bis zum alternativen Grenzübergang schaffen.
50 km vor der Grenze ist die Straße blockiert. Ein halb offiziell aussehender Polizist erklärte uns, dass die Straße erst um 7:00 Uhr am nächsten Morgen wieder geöffnet wird. Warum die Straße gesperrt ist bleibt völlig unklar.
Wir fahren wieder einige Kilometer zurück und bauen im Schutz der Nacht
unser Dachzelt auf, damit wir wenigstens noch 3 Stunden Schlaf bekommen. Ob der Grenzübergang den wir jetzt gewählt haben befahrbar ist, bleibt weiter unklar.

Tag 12


Wir wachen auf einem Feld kaum außerhalb der Sichtweite der Grenze vom Senegal nach Guinea auf. Ob wir heute über die Grenze kommen?
Die Grenzkontrollen auf Senegalesischer Seite waren einfach und verständlich.


Wir lernen Alexandra und Robert kennen die im selbst restaurierten Puch-LKW gleichzeitig einreisen.


Beide treffen wir an den kommenden Stationen immer wieder und tauschen das gerade erlebte aus. Ihr Fahrzeug ist umwerfend und unser LADA fühlt sich plötzlich klein und zerbrechlich an.

Guinea Flag Made of Glitter Sparkle Brush Paint Vector


Die Grenze in Guinea ist völlig anders als alles was ich bisher gesehen habe.
Die Grenze ist in ein Dorf integriert und es ist klar das alle, die hier Arbeiten auch hier wohnen. Wir müssen zu verschiedene Stationen wobei völlig unklar bleibt was die einzelnen Stationen von einander unterscheidet. Immer wird Handschriftlich scheinbar immer das gleiche
in immer ein gleich aussehendes Buch eingetragen. Alles sorgfältig in gut leserlicher Schrift und völlig ohne das ein Computer irgendwo sichtbar wäre. Der eigentliche Grenzbeamter schreibt auch nicht, sondern lässt Schreiben. Das muss ein junger Mitarbeiter erledigen, dessen Arbeit kritisch beäugt wird und im scharfen Tonfall wortreich kritisiert wird.
Das ganze findet unter Stroh bedeckte Gestelle statt ohne Wände in dem ein paar Plastikstühle und ein BETT steht. Man muss sich tief bücken, um in die Strohhüte hineinzukommen. Hier ist es dann überraschend angenehm kühl
und luftig. Mir wurde in der ersten Hütte ein Platz zum sitzen auf dem Bett angeboten. Da ich gerade schon wieder lange im Auto gesessen hatte wäre ich gerne stehen geblieben.
Meine Bitte stehen zu dürfen wurde äußerst unmissverständlich abgelehnt. Danach hatte ich verstanden was von mir erwartet wurde und die nachfolgenden Hütten konnten viel geschmeidiger absolviert werden. Irgendwann ist auch das letzte Buch beschrieben und wir sind entlassen.
Das neue Zollgebaude das Senegal und Guinea gemeinschaftlich nutzen wollen, steht bereits wird aber offensichtlich von beiden Seiten aktuell ignoriert.

Nach der Grenze geht es auf sehr guten Straßen weiter. Aber auch völlig leere Straßen. Durch jedes Dorf durch das wir kommen sind wir scheinbar die Attraktion des Tages. Kommt denn hier sonst nie einer durch?

Plötzlich am Ende eines Dorfes hört die Straße einfach auf. Von hier aus führt ein Feldweg weiter in die Berge. Das Navi sagt unbeirrt, dass dies eine Nationalstrasse ist und das es keine Alternative gibt. Mein Herz rutscht mir in die Hose. 20 km Asphalt seit der Grenze, ein Feldweg vor uns und völlige Unklarheit, wie die nächsten 1000 km durch das Land aussehen könnten.
Das alles in einem überladenen LADA mit einem ständig verrutschendem Dachgestell und ein für das Gelände völlig ungeeignetem Anhänger…..
Der Feldweg ist völlig kaputt gefahren mit Schlaglöcher, tiefen Bodenwellen, losen Sand und in die Fahrstrecke hineinreichend Steine
die nur auf eine Ölwanne warten die sie aufreißen können. Ich bin völlig überfordert und Michael muss das Steuer übernehmen. Es geht im Zeitlupentempo(wenn Michael schneller fährt bekomme ich Panikanfälle)
mit immer wieder aufsetzender Anhängerkupplung hinauf in das Gebirge.
Das Dachgepäck swingt bei jedem Schlagloch bedrohlich hin und her.


Das Panorama ist atemberaubend ich habe dafür aber kein Blick. Insbesondre will ich nicht sehen, dass es neben unserem Auto
unbefestigt mehrere hundert Meter steil bergab geht. Das ganze findet
bei brütender Hitze in einer riesigen roten Staubwolke statt, die wir selber aufwirbeln. Wir sind völlig allein. Nach einer Stunde kommt uns ein Auto entgegen (noch mehr Staub) und mehrere Motorräder überholen uns.
Die kleinen zweirädrigen Fahrzeuge chinesischer Herkunft haben überhaupt kein Problem mit der Stecke. Neidisch schaue ich Ihnen nach.
Ich bin aber auch etwas beruhigt, das ist offensichtlich eine Straße die außer von uns auch von anderen genutzt wird und sie führt auch irgendwo hin.
Nach 40 quälend langsam absolvierten Kilometern
kommt plötzlich wieder Asphalt. Auch Michael ist etwas erleichtert. Er hat im Gegensatz zu mir das Fahren abseits der Straße genossen. Es war aber auch anstrengend und er ist froh auf dem Beifahrersitz wieder etwas entspannen zu können. (Der Beifahrersitz war leider nur vollkommen nass…hoffen wir, dass es nur Angstschweiss war…) Ich sitze im Auto und bete inbrünstig, dass die Asphaltstrecke noch etwas länger anhält.
Unser Tank ist leer und die wenigen Tankstellen an denen wir vorbeikommen haben kein Benzin mehr. Wir füllen das Benzin aus unserem Ersatzkannister in den Tank. Für 150 km haben wir so noch Sprit.
Danach müssen wir weiter sehen. Es dämmert langsam und plötzlich stehen wir vor einer von jugendlichen bewachten Straßensperre. Wir hatten schon von Unruhen in diesem Teil des Landes gehört, aber nicht damit gerechnet etwas davon mit zu bekommen. Die jungs an der Straßensperre sind eigentlich ganz umgänglich und wir verhandeln eine Durchfahrtsgebühr von umgerechnet 2€ und eine Tüte Gummibärchen aus.
Wir atmen tief aus als das überstanden ist und fahren weiter. Hinter der nächsten Kurve wieder eine Sperre. Wir wissen ja jetzt wie es geht und kommen rasch durch. Das Ganze wiederholt sich nach 200 Meter erneut. Auch hier werden wir wegen des erbeuteten Gewinns mit lautem Siegesgeheul durchgelassen. Die erprobte Mischung aus Geld und Gummibärchen bewährt sich weiterhin. An der 9. Sperre fällt auf das vermehrt Alkohol getrunken wird und die Stimmung sich anheizt. Das ist das erste mal während dieser Reise, dass Michael die Nerven verliert. Wir beschließen abzubrechen und bei Einheimischen Schutz zu suchen. Vor einem kleinem Laden sitzen Leute die uns bereitwillig aufnehmen. Wir beruhigen uns etwas. Die Jugendliche fahren aber weiter mit Ihren Motorrädern mit lautem Geknatter auf und ab. Für uns gibt es kein Entkommen. Nach einer Stunde beschließen unsere Bewacher das es Zeit ist ins Bett zu gehen und lassen uns alleine zurück…
Wir sitzen auf Plastikstühlen und beschließen die Glühbirne die uns gut beleuchtet erstmal herauszudrehen und sitzen im Dunkeln. Plötzlich entdeckt uns eine Frau im Dunkel und schlägt Alarm. Rasch eilen mehrere Männer hinzu. Wir werden im scharfen Tonfall angesprochen beherrschen aber nicht genug französisch, um die Frage zu verstehen. Wir antworten mit zitternder Stimme in englisch. Da löst sich die Spannung.
Es sind unsere Beschützer von vorhin, die dachten wir wären Einbrecher.
Mit Händen und Füßen erklären wir, das wir die Situation nicht einschätzen können und uns Sorgen machen. Sie beruhigen uns und erklären das das lediglich übermütige Jugendliche seien. Keine Gefahr für uns. Dennoch bleiben sie bei uns bis die meisten Straßenblockierer beschlossen haben das schlafen gehen oder das Fußball schauen auf Dauer doch angenehmer ist. Ich baue das Dachzelt auf und lege mich ebenfalls hin. Michael traut dem Frieden noch nicht ganz und beschließt lieber im Auto zu schlafen. Mal sehen was der morgige Tag bringt……

Tag 13


Wir stehen auf vor Morgengrauen in der Hoffnung, dass sich die Situation weiterhin beruhigt hat und die Straßenblockierungen nicht mehr besetzt sind. Und tatsächlich wir sehen zwar überall noch die Reste
der Straßenblockaden die aber durchfahrende Auto- oder Lastwagenfahrer
schon so teilweise weggeräumt haben, so dass man mit dem Auto durch kann.
Wir zählen die Straßenblockaden die wir am Vorabend noch hätten überwinden müssen und kamen im Laufe der nächsten anderthalb Stunden auf 41.Das hätten wir auf keinen Fall geschafft, gut das wir aufgegeben haben und wenigstens etwas Schlaf finden konnten.


Die Straßen werden zunehmend schlechter, so dass wir jetzt schon mehr neben als auf der Straße fahren. Streckenweise hat man Mühe überhaupt noch zu erkennen, dass hier mal eine Straße gewesen sein mag.
Ich habe nicht gewusst, dass es auf der Welt (außer in Kriegsgebieten) solche Straßen gibt.(Stephan der einzige Europäer, mit einem Lada, der solch romantischen Vorstellungen hat). Die Schlaglöcher sind zum Teil
bis zu 1 m Tief und oft 4-5 m lang. Im Graben neben der Straße ist es da schon viel leichter zu fahren. Wenigstens können wir von einem Straßenhändler mehrer Baguette kaufen die in dieser Region der Welt
ausgesprochen lecker sind und einen leichten Olivenöl-Geschmack haben.
Mitten im Nichts kommt uns plötzlich ein weißer Fahrradfahrer entgegen.


Wir halten sofort an und beginnen ein Gespräch. Es ist der Holländer Frank van Rijn der schon seit über 30 Jahren mit dem Fahrrad Afrika bereist. Das Gespräch endet leider viel schneller als uns allen lieb ist, da wir im hellen noch möglichst viele Kilometer fahren wollen. Kaum ein paar Meter weiter
hören wir plötzlich ein auffälliges Geräusch. Wir halten an und entdecken
dass am Anhänger ein Reifen Luft verliert.
Kein Problem, wir haben einen Ersatzreifen dabei. Kaum haben wir unser Werkzeug ausgepackt halt ein ortsansässiger an, eilt herbei und übernimmt den Reifenwechsel für uns.


Er will auch keinerlei Dank oder Geld für seineHilfsbereitschaft haben. Er sei ein gläubiger Moslem und möchte Leuten in der Not helfen. Kaum 500 m nach der Reifenpanne entdecken wir schon im nächsten Ort einen Reifen-Flick-Dienst.


Der sieht freilich völlig anders aus als in Europa. Alles ist draußen,
alles ist provisorisch und wie überall sitzen viele Kinder rum. Zwei junge Männer flicken den Schlauch mit viel Enthusiasmus und hohem geschick.
Das ganze kostet auch nur ein Euro und wir haben wieder einen funktionierenden Ersatzreifen für unseren Anhänger. Die Straßen sind weiter extrem Schlecht. Wir können maximal 100m bis 200m mal 40 Km/h fahren. Dann müssen wir wegen der gigantischen Schlaglöcher wieder in den Graben ausweichen. Die Stunden vergehen aber wir kommen nicht voran, obwohl wir fast pausenlos fahren.


Uns wird immer klarer das wir es keinesfalls bis zur liberianischen Grenze schaffen können. Ich bin total frustriert und beschließe trotz Dämmung bis in die nächste Stadt zu fahren. Dort suchen wir uns ein Hotelzimmer….
ich muss duschen!!!!! Wir erreichen die Stadt quälend langsam. Selbst der Weg zum Hotel folgt dem gleichen Schema.
Holperstraße und Geschwindigkeiten knapp schneller als Stillstand.
Im Hotel bekommen wir einen Bungalow zugewiesen, der uns in dieser Situation wie das Paradies vorkommt. Die Dusche funktioniert, die Klimaanlage auch und es gibt eine Flasche afrikanisches Bier.
Morgen aber müssen wir es irgendwie wieder aus diesem Land schaffen!!!

Tag 14


Wir wachen etwas erholter in unserer Hotelanlage auf. Erstaunt stellen wir fest wie groß die Anlage ist und dass wir die einzigen Gäste sind.


Kaum sind wir mit der Morgen- Toilette fertig dreht uns der Hausmeister
vorsichtshalber schon den Strom aus. Wie immer in diesem Teil der Welt
ist das Frühstück zu mindestens eigenwillig. Es gibt Baguette vom Vortag
mit Omelette. Ich darf die Hälfte von Michael seinem Essen essen, obwohl er auch eigentlich Hunger hat. Wir kommen nur sehr mühsam auf den schlechten Straßen voran. In Guéckédou angekommen wären wir fast in eine Einbahnstraße falsch herum reingefahren. Ein herbei eilender Polizist
Verdonnert uns sofort zu einer Strafe von 1000000 FG (100€).
Unser Einwand, dass wir doch gar nichts falsch gemacht haben, sondern nur im Begriff waren etwas falsch zu machen lässt er nicht gelten. Wir können ihn aber auf 14 € herunter handeln.

Die Straße wird immer schlechter so dass Michael das Steuer übernehmen muss. Meine offroad Fähigkeiten reichen für diese “asphaltierte” Straße einfach nicht mehr aus. Am Ende der Stadt kommen wir erneut in eine Polizeikontrolle und werden von zwei Polizistinnen massiv angeschrien
warum Michael nicht angeschnallt sei. Das hat in den letzten 50 Polizeikontrollen keinen bisher gestört. Wir sollen eine Strafgebühr
von 2,5 Millionen GEF (250€) bezahlen. Trotz allem reden gelingt es uns nur
sie auf 200 € herunter zu handeln. Verärgert verlange ich aber eine Quittung. Man erklärte mir die sei nur auf der Polizeistation möglich und ich soll bitte dem Motorrad einer Polizistin folgen. Auf der Polizeistation
müssen wir auf den Chef der Truppe warten. Nach 1 Stunde erhalten wir unsere Quittung. Erst im Auto fällt auf, dass man lediglich 40.000 GEF (4€)
bescheinigt hat. Wutentbrannt gehe ich zurück und verlange den Polizeichef zu Sprechen. In mir bricht der deutsche durch, ich verlange wutschnaubend eine korrekte Quittung. Die Umstehenden begreifen recht schnell, dass ich nicht mehr zu Kompromissen fähig bin und rufen erneut den Chef. Schlecht gelaunt kommt er 20 Minuten später wieder an. In gebrochenem Französisch erkläre ich den Sachverhalt und verlange entweder eine korrekte Quittung oder meine 200 $ zurück.
Die Polizistin die das Geld an sich genommen hat wird von der Straßen sperren abgerufen und muss zur Polizeiwache kommen. Sie bestreitet
von uns 200 $ bekommen zu haben. Wir bleiben aber hartnäckig.
Es wird sehr lange in Französisch gesprochen und es uns klar wird worum es geht. Schließlich rückt die Polizistin kleinlaut das Geld heraus. Nun muss erneut verhandelt werden. Wir einigen uns auf eine Strafe von 100 € und eine korrekte Quittung. Wir hätten gerne jetzt auf die korrekten 40000 GF (4 Euro) verhandelt aber die ganze Aktion hat schon über 4 Stunden gedauert
und wir wollen endlich weiter.
Wir fahren weiter auf aller übelster Strecke bis zur Grenze. Mehr als 20 km/h sind das schnellste was wir schaffen. Sehr häufig geht es nur mühsam im Schritttempo voran. Wir arbeiten uns bis zum nächsten Grenzübertritt vor. Die Straße ist inzwischen so schlecht, dass sie selbst für Fußgänger kaum begehbar ist. Wir müssen außerdem über eine provisorische aus Holzstämmen konstruierte Brücke. Ich verliere total die Beherrschung
und weigere mich weiter zu fahren. Michael bleibt zum Glück ruhig und schafft es irgendwie unser überladenes Fahrzeug über die Brücke zu manövrieren. Wir fahren über die holprigen Strecke weiter bis in das Grenzdorf, wo es für heute Abend nicht mehr weitergeht. Kaum zu glauben
dass diese holprige Strecke auch der Zugang für den örtlichen Flughafen ist.
Im Dorf angekommen eilt uns der örtliche Grenzbeamte in Unterhose und T-Shirt entgegen. Mit Händen und Füßen erklärte uns, dass bis morgen Früh 8.00 Uhr die Grenze geschlossen ist. Er hat aber keine Einwände dagegen, dass wir in Sichtweite der Grenze übernachten. Wir sind offensichtlich die Attraktion aller Kinder im Ort. Sie laufen noch stundenlang um unser Fahrzeug herum und versuchen mit der Taschenlampe hinein zu leuchten. Erst als sie müde aufgeben können auf wir einschlafen.

Tag 15


Wir wachen auf im Grenzdorf und sind von so ziemlich jedem Kind
und jeder Frau, sowie einigen Männern des Dorfes umringt. Neugierig
lassen sie sich nichts von dem was wir machen entgehen.
Die Morgentoilette unter intensiver Beobachtung von ca 40 Menschen zu absolvieren ist auch mal eine neue Erfahrung.


Eigentlich würde man gerne nach dem Aufstehen zur Toilette gehen,
das ist aber hier unter Vollbeobachtung nicht möglich. Michael verteilt Kleinigkeiten an die Kinder und macht Fotos. Ich konzentriere mich lieber
auf meine voller werdende Blase und bewege mich nicht.
Um acht öffnet langsam die Grenze. Das heißt in diesem Fall dass das über die Straße gespannte Seil herunter gelassen wird und der Grenzbeamte
und sein Assistent sich auf ihre Stühle setzen. Wir werden herbei gewunken. Unsere Papiere werden gründlich und ausführliche studiert.
Meine Blase füllt sich langsam weiter und beginnt zu schmerzen.
Wie üblich werden jetzt Daten handschriftlich in das Grenzbuch eingetragen und wie üblich muss das der Assistent machen. Auch dieser Assistent bedarf der intensiven Überprüfung und wird wiederholt kritisiert.
All dies braucht seine Zeit, während derer sich meine Blase weiter zunehmend bemerkbar macht…… Endlich dürfen wir über die Grenze
in das Niemandsland zwischen Guinea und Liberia. Kaum außer Sichtweite der Grenzbeamte und der uns immer noch zuschauenden Dorfbewohner
stürzen wir aus dem Auto und hinter einen Baum.


Die Grenze zwischen beide Länder ist ein Fluss. Eine Brücke gibt es nicht.
Glücklicherweise ist jetzt Trockenzeit und die Flussquerung ist kein ernsthaftes Problem. Nach einigen Kilometern unbefestigter Straße kommen wir zur liberianischen Seite der Grenze. Wir werden herzlich empfangen und in der uns inzwischen bekannten Art in mehreren Räumen befragt mit Eintragungen in das immer gleich aussehende Buch. Hier gibt es aber ein unerwartestes Problem. Liberia ist kein Durchreiseland für uns
sondern das Zielland. Alles was wir mitgebracht haben muss hier verzollt werden. Das hätten wir als Hilfsorganisation schon von zu Hause aus vorbereiten müssen.
Wir versuchen unsere Partnerorganisation in Liberia zu erreichen.
Hier mitten im Dschungel funktionieren unsere Handys aber nicht.
Was nun? Der Grenzbeamte setzt eine wichtige Miene auf und beschließt erstmal alles zu besichtigen. Nachdem wir den halben Wagen ausgeräumt haben kommt er zum Schluss das dies alles wertloses Zeug sei. Wir müssen keine Steuer nachzahlen, aber dennoch tut seine Beurteilung etwas weh nachdem wir die Sachen mit soviel Mühe bis hierhin geschafft haben.
Wir packen alles zusammen und dürfen weiterfahren. Kaum 2-3 min gefahren überholt uns ein Motorrad mit Grenzbeamten und bittet uns anzuhalten. Er überreicht uns unsere Campingstühle, die wir vergessen haben wieder einzupacken. Kaum weitere 5 min später das gleiche erneut. Haben wir weitere Sachen vergessen? Diesmal ist es anders. Weil ein Stempel im Pass nicht gut lesbar ist haben die Beamten beschlossen,
dass wir doch zur Immigrationsbehörde müssen. Dort soll von höherer Stelle erneut der Stempel begutachtet werden. Wir folgen also dem Motorrad zur Immigrationsbehörde in der Stadt. Wie üblich dauert es recht lange bis jemand gefunden werden konnte der kompetent genug ist schwierige Stempel zu beurteilen. Alle mit uns herumstehende Fragen wiederholt, ob wir wirklich von Deutschland bis hierhin gefahren sind.
Ganz augenscheinlich sprengt das völlig ihren Vorstellungshorizont.
Überraschend ist das eigentlich nicht. Diese Menschen leben in einem kleinen Grenzdorf, dürfen selten bis nie ins Nachbarland und die nächste Stadt ist viele Autostunden auf unbefestigten Straßen entfernt. Die Straße ist deutlich besser befahrbar als im Nachbarland, aber schnell fahren kann man auch auf diesen unbefestigten Straßen nicht. So ziehen sich die Stunden in der wir langsam in das Landesinnere reisen dahin. Wir sind in einer konstanten Staubwolke gehüllt und es ist brütend heiß. Plötzlich ein lautes Geräusch hinter uns.
Wir halten sofort an um herauszufinden was passiert ist. Der Schaden ist unübersehbar, ein Rad ist vom Anhänger abgefallen da sich das Kugellager aufgelöst hat. Das ist mit Bordmitteln nicht lösbar. Was nun?
Wir beschließen unsere Partnerorganisation anzurufen. Wir brauchen Hilfe! Michael koppelt den defekten Anhänger ab und fährt los eine Stelle suchen an dem er Telefonempfang hat. Da stehe ich nun mitten im staubigen nichts und habe nicht die geringste Ahnung wie es jetzt weitergehen soll.


Einer der eindringlichsten Erfahrungen dieser Reise ist, wieviel nette Menschen wir überall immer wieder treffen. Auch hier werde ich von so ziemlich jedem der vorbeikommt angesprochen, wie man helfen könne.
Plötzlich steht ein Motorradfahrer vor mir. Er sei Techniker, sein Chef hat ihm geschickt. Er hatte uns auf dem Heimweg gesehen und spontan Hilfe organisiert. Der Schaden wird begutachtet und gemeinsam stellen wir fest,
dass dies hier mitten im Staub ohne Ersatzteil nicht reparierbar ist. Wir beschließen den Anhänger in der Obhut des hilfsbereiten Technikers und seines inzwischen herbei geeilten Chefs weitern Gehilfen zu belassen
und alles auf und in das Auto umzuladen.
Diese Leute haben Erfahrung im Autobepacken. Kunstvoll wird alles meterhoch auf das Auto geschichtet, mit einer Folie umhüllt und festgeschnürt. Unvorstellbar, jetzt sehen wir wie die anderen hier üblichen vollbepackten Autos aus. Nun muss der Anhänger und das Dachzelt abtransportiert werden. Ich warte auf ein Pick-up und Stelle völlig entsetzt fest, dass die Teile auf ein Motorrad fest gebunden werden. Das hier mit dem Motorrad alles mögliche transportiert wird ist offensichtlich, aber ein kompletter Anhänger auf eine Motorrad ? Und das bei diesen Straßen!
Geht aber! Danach kommt das Dachzelt dran, dass eher noch sperriger ist.
Kaum ist alles verladen will das Motorrad aber nicht mehr anspringen.
Jetzt muss das Motorrad mit sperriges Gepäck auch noch angeschoben werden. Unvorstellbar was Motorradfahrer hier leisten können. Endlich können wir weiterfahren und das gepackte Ungetüm auf dem Dachhält wirklich anstandslos.


Ich entspanne langsam und beginne mich bei Michael zu entschuldigen. Ich habe wild mit Beschuldigungen um mich geworfen und das zu unrecht. Wie sich im Nachhinein herausstellt wäre die hier von mir favorisierte alternative Route genauso schlecht gewesen und der Anhänger wäre vermutlich auch zerbrochen. Mit meiner Route wären wir noch im französisch sprachigen Nachbarland, hätten uns nicht mit den Menschen unterhalten können und unser Team hätte große Mühe gehabt uns zu Hilfe zu eilen. Zum wiederholten Male habe ich Glück, Michael ist nicht nachtragend. Endlich endlich endlich sehen wir den Geländewagen unseres Rettungsteams. Obwohl wir ungeduscht, verschwitzt und über
und über mit Staub bedeckt sind, werden wir überschwänglich umarmt.
Wir laden ein Teil der Sachen aus unserem Auto in den Zweiten Geländewagen und können endlich auch mal schneller die weitere Strecke fahre. Dennoch dauert es lange bis wir wieder eine Asphaltstraße erreichen. Von hier aus bis zum Ziel sind noch über 200 km. Wir werden wohl erneut eine Nacht durchfahren müssen. Auf halber Strecke fällt auf
dass der vorausfahrende Geländewagen Schlangenlinien fährt und immer wieder auf die Gegenspur gerät. Ich überhole, zwinge den Geländewagen zum anhalten und frage was los ist. Es stellt sich heraus, dass der Fahrer
schon die zweite Nacht nicht geschlafen hat. Ihm fallen ständig die Augen zu. Jetzt ist Michael Chance gekommen. Er wollte schon länger mal
den Toyota Landcruiser fahren. Da wir abwechselnd geschlafen haben
sind wir fit genug um weiter zu fahren. Wir werden wiederholt an Straßen Sperren von der Polizei befragt. Keiner will glauben, dass wir die Strecke von Deutschland gefahren sind und deswegen falsche Nummernschilder am Auto haben. Jedes Mal zieht sich die Befragung länger hin. Im Morgengrauen kommen wir endlich an.


Am liebsten würden wir sofort ins Bett fallen, man hat aber für uns noch eine kleine spontane Begrüßungsfeier organisiert…..

Endlich im Hotel angekommen, kommt das was wir uns beide viel sehnlicher als schlafen gewünscht haben….. eine ausgiebige Dusche!
Unter der Dusche (es gibt kein warmes Wasser)
erst wird mir klar, wir haben es tatsächlich geschafft, unglaublich.

Tag 16


Einfach mal Pause…
…und deshalb nur Waschen des Autos. Dieses Auto ist unbenutzbar ohne es vorher einmal zu reinigen. Einfach eklig…

alles weitere…erzählen wir euch demnächst…

…bei einem geselligen Abend, am Lagerfeuer, mit weiteren Anekdoten…

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