teamwork africa – germany e.v.

kebbeh reist nach deutschland

Ihr habt es sicherlich schon mitbekommen, in den letzten Wochen, besser gesagt Monaten drehte sich unsere kleine Welt nur um die kleine Kebbeh.
Die 11 jährige Kebbeh benötigt dringend Hilfe, schon ungewollt als Baby, drängte der Vater die Mutter zur Abtreibung. Diese konnte sich aber widersetzen und bei Ihrer Familie schutzsuchend das Kind gebähren.
Die Beziehung der Eltern zerbrach daran, und die Familie des Vaters, verwünschte das Kind.
Vor ca 5 Jahren heilte eine Infektion in Ihrem Oberschenkel nicht aus.
Unterernährung und schlechte medizinische Versorgung erübrigten die weitere mittlerweile Lebensbedrohliche Entwicklung.
Die Mutter bat überall um Hilfe, selbst bei der Familie des Vaters, welche schlichtweg erleichtert wirkte, dass deren Flüche nunmehr endlich greifen würden.
Gefunden wurde Sie und Ihre Mutter von unseren Teamwork Africa Mitarbeitern, als diese unterwegs in den ländlichen Regionen waren, um Ihre Aufgaben für die Organisation auszuführen.
Sie nahmen Mutter und Tochter kurzerhand mit nach Monrovia, um Sie zu David Sunday in die Klinik, welche von Teamwork Africa unterstützt wird zu bringen.
Die aktuelle Diagnose:
Ausgedehnte chronische Knochenentzündung, sowie Verformung des gesamten linken Oberschenkelknochens mit Beteiligung des Hüftgelenkes und des Kniegelenks.
Die Möglichkeiten dort, sowie in der befreundeten ELWA Klinik die ausgedehnte Knochenentzündung zu behandeln sind nahezu gering.
Selbst eine fachgerechte Amputation im Hüftgelenk (diese ist ungleich schwieriger als eine Amputation auf Höhe des Oberschenkelknochens oder des Unterschenkelknochens) ist hier nicht möglich.

Also beschlossen wir als Verein im Team, das wir die 11jährige hier in Deutschland medizinisch versorgen müssen. Stephan ist zu unserem Glück vom Fach und konnte durch seine Berufserfahrung als Orthophäde, ua auch mit zahlreichen Kontakten hier eine Behandlungsidee ausarbeiten.

Nun ging es nur noch um die Logistische Meisterleistung, gerade auch in Zeiten von Corona die kleine nach Deutschland zu holen.
Ohne das Team hier in Deutschland, welches die Reise plant, sich um die ganzen benötigten Unterlagen, die Konsulare und Botschaften, Visum, Aufenthaltsgenehmigungen und und und kümmert, wäre das ganze überhaupt nicht machbar gewesen.
Teamwork – kein Einzelkampf – nur gemeinsam sind wir stark!!

Es ist einfach ein wahr gewordener Traum, ein paar Menschen hier gefunden zu haben, welche zusammen an einem Strang ziehen, um gemeinsam etwas in der Welt zu verändern.

Und dabei fing das ganze Projekt so gut an, Spendengelder von vielen Hilfsbereiten Menschen füllten sehr rasch das Konto mit den OPkosten.


DEN SPENDERN UND VIELEN WOHLTÄTERN….
…AN DIESER STELLE EIN HERZLICHSTES DANKE!!
IHR HABT ES MÖGLICH GEMACHT – IHR SCHENKT HOFFNUNG!!

Und dann wurden wir vom Pech verfolgt, zuerst bekam ein Begleitperson keinen Urlaub. Dann ging Michael´s Pass in der Ghanäischen Botschaft verloren. Flüge waren nicht buchbar. Covid19 Test konnten nicht bezahlt werden, da die Kreditkartengesellschaft den Flughafen in Accra nicht als sicher befand…
…das Ende vom Lied, Stephan musste alleine reisen, denn ein weiteres aufschieben der gesamten Aktion, minimiert nur die Chancen auf Genesung für die kleine Kebbeh…

Nun ein kleiner Einblick in das was bisher passiert ist…

Tag 1“

Der Wecker klingelt und ich springe aus dem Bett.Zeit ist knapp, in anderthalb Stunden will Markus mich abholen. Ich Springe unter die Dusche und gehe noch eine kurze Runde mit den Hunden. Kurzfristig bin ich unachtsam und der größere der beiden Hunde findet irgendwelche Wildschwein-Excremente in den er sich genüsslich wälzt . Riechen wie die ganz ganz großen ist für ihn offensichtlich klasse. Das Ergebnis ist so umwerfend 🤢 dass ich trotz meiner knappen Zeit den Hund noch duschen muss. So kann ich ihn wirklich nicht zurücklassen.
Frühstück muss halt ausfallen und hektisch stopfe ich noch die letzten Sachen in meinen Koffer (wobei ich meine Zahnbürste und bestimmt noch 1 Million andere Sache die mir bisher nicht aufgefallen sind) vergesse.
Auf dem Weg zum Auto hätte ich fast noch 1 Tasche vergessen, meine Frau bringt sie mit dem „du bist unmöglich Blick“  hinter mir zum Auto. Ich bin nur 1,5 Wochen weg, sehe aber aus als ob ich umziehen wollte. Außer der Tasche habe ich noch zwei große Koffer und einen Rollstuhl mit. Mit Mühe bekommen wir alles in den Kofferraum. Am Flughafen dauert das aufgeben des Gepäckes ewig und ich muss natürlich wegen Übergepäck nachzahlen. 300 €!! Autsch 😣 das tut weh.
Da das Wasser-System im Flugzeug eingefroren und die Flügel mit Eis bedeckt sind startet das Flugzeug erst mit 1 Stunde Verspätung. 
Unseren Anschlussflug schaffen wir nur noch im Sturm-Schritt. Wird das Gepäck auch noch rechtzeitig zum Flugzeug gebracht werden?
Im Flugzeug vergeht die Zeit recht schnell. Ich schaue mir auf dem Handy  heruntergeladene Netflix Serien an. Erst ganz gegen Ende begreife ich das auch Filme im Fernsehe-Monitor vor mir zur Verfügung gestanden hätten. Warum mir nicht aufgefallen ist dass um mich herum die Leute einen Film schauen und ich nur auf eine Weltkarte ist mir jetzt auch nicht mehr so ganz klar…..🙄.
Im Flugzeug haben die Corona-Regeln irgendwie plötzlich keine Bedeutung. Alle tragen zwar Masken, wir sitzen aber Schulter an Schulter und zum Essen werden die Masken gemeinschaftlich abgenommen. Vorsichtshalber beschließe ich jetzt mal besser nichts zu essen und drücke die FFP2 Maske fester auf das Gesicht.
Das Flugzeug hat noch eine Zwischenlandung in Freetown. Hier bin ich irgendwie irritiert. Einige steigen aus, ein paar wenige bleiben sitzen und die Reinigungsmannschaft putzt und saugt um uns herum.
Als ich die  Stuardess hektisch Frage ob ich hier noch richtig bin bekommt sie einen Blick der mich an dem von meiner Frau von heute morgen erinnert….
(Anmerkung von Michael – hier erkennt man wieder gut das Organisationstalent – Stephan wurde es mehrfach erzählt, dass der Zwischenstopp in Sierra Leone notwendig ist, da es in Monrovia seit Monaten kein Kerosin Nachschub mehr gab, sind die Fluggesellschaften dazu gezwungen vorher aufzutanken, um wieder starten zu können)

Spät abends kommen wir in Liberia an. Wir werden zum alten Flug-Terminal geführt und hier stehen überall Massen von Menschen irgendwo an. Eine Organisation ist nicht zu erkennen. Ich stelle mich geduldig mit an, um nach einiger Zeit herauszufinden dass ich natürlich in der völlig falschen Schlange stehen. Das geht mir im Laufe der nächsten 3 Stunden noch mehrfach so.
Irgendwann muss ich 75 $ bezahlen um den bei der Einreise notwendigen Covid19 Test zu machen.
Geld tauschen konnte ich aber nicht, in meinem Stress und bedingt der alleinigen Reise ist es mir einfach durch die Lappen gegangen, rechtzeitig zu wechseln. Euro kennt hier keiner. Kreditkarten auch nicht. Die aufgeheizte Stimmung der Mitwartenden wird noch ein bisschen angeregt da durch mich sich fast 1 Stunde in der Schlange nichts mehr tut😬Endlich findet sich jemand der gegen Aufpreis und lautem Geschrei doch meine Euro akzeptiert.
Nach endlosen weiteren Schlangen werde ich zu meinen Koffern geführt. Natürlich sind sie nicht zu finden. Ich werde zum Vermissten-Schalter geschickt der leicht zu erkennen ist an der riesigen Schlange davor😠. Endlich darf ich den Flughafen verlassen. Nach kurzer freudiger Begrüßung steigen wir ins Auto ein  welche sich in die Schlange einreiht zum bezahlen der Parkgebühr. Mir ist schon langsam alles egal🥱Schüchtern begrüße ich die wenigen Mitglieder meiner Gastfamilie die bis 3:30 Uhr morgens aufgeblieben sind. Todmüde falle ich ins Bett und schlafe ein mit den freudigen Gedanken dass ich morgenfrüh zurück zum Flughafen muss um herauszufinden wo mein Gepäck geblieben sein könnte. Aber wenigstens kann ich mir rasieren Zähneputzen und Umziehen sparen denn die Sachen sind ja alle in den verschollenen Koffern….

Tag 2

Wieder geht es los auf der Suche nach den Koffern. Wir beschließen aber nicht zum Flughafen zu fahren sondern direkt zum Büro der Fluggesellschaft. Dort weiß aber keiner dass meine Gepäckstücke verloren gegangen sind und wo sie abgeblieben sein könnten. Wir bekommen eine Nummer die wir anrufen sollen, die sich aber als falsch herausstellt. Zu müde von der kurzen Nacht davor beschließen wir die Suche auf morgen zu vertagen. Zurück in der Unterkunft habe ich Zeit mich mit Kebbeh  zu beschäftigen. Da alle mitgebrachten Spielsachen in den verschollenen Koffern liegen bin ich gezwungen zu improvisieren. Ich bringe ihr „Schiffe versenken“ bei und wie man aus Papier ein Flugzeug bastelt. Sie zeigt mir auf dem Computer unseres Gastgebers ihre Lieblingsmusik-Videos. Lauter kleine singende Jungs die auf und ab hüpfen und deren Unterhosen man sieht. Ich hab Mühe zu verstehen was daran faszinierend sein könnte. Daran merke ich dass ich doch ganz schön alt geworden bin. Vorsichtshalber zeige ich Ihr lieber nicht die Musik-Videos die ich mag.
(Anmerkung von Michael: Seine Beste Entscheidung – besser noch – er singt Ihr auch nichts vor)

Ich habe noch die Möglichkeit bei einer Wundversorgung von Kebbeh anwesend zu sein. Es kommt tatsächlich purer Eiter aus dem Oberschenkel. Bei der Gelegenheit kann ich endlich das Bein untersuchen. Die Hüfte ist in Fehlstellung völlig ein gesteift, auch das Kniegelenk zeigt nur noch wenig Beweglichkeit. Durch die steifen Gelenke wird der Rücken in eine unnatürliche Haltung gezwungen. Hier droht auf Dauer zusätzliche Rücken Schäden.

Leider habe ich nicht die Möglichkeit mich länger am Abend mit meinen Gastgebern zu unterhalten. Mit untergehender Sonne werden die Mücken aggressiver und ich muss unter meinem Moskitonetz flüchten. Hier gibt es wenig nachgewiesene Covid-Infektion, dafür aber viel die uns bereits bekannte Malaria. (Der Cov19 Test ist einfach zu teuer, und kulturellbedingt glauben die Menschen dort eher an Maleria, als an was anderes)

Tag 3

Wieder fahren wir los auf der Suche nach meinen Koffern 🧳. Im Büro der Fluggesellschaft kennt man uns jetzt. Wir werden diesmal in das Büro einer höheren Beamtin gerufen die uns mitteilt das der Rollstuhl angekommen ist, die restlichen Koffer aber verschollen bleiben. Naja immerhin etwas. Wie in Afrika üblich wird alles (in diesem Fall der Rollstuhl) auf das Dach fixiert. Von da an blutet mein Herz bei jedem Schlagloch wenn ich höre wie der Rollstuhl gegen das Autodach schlägt. Und hier gibt es viele Schlaglöcher!

Das nächste Ziel ist der Besuch von Benjamin. Er ist blind und wohnt in einem Blindenheim. Ich habe ihm 2 Geschenk aus Deutschland mitgebracht ( die natürlich in den verschollenen Koffern liegen ). Ich war noch nie in diesem Blindenheim und bin sehr neugierig. Dort angekommen mache ich beim aussteigen noch ein Foto vom Rollstuhl auf dem Autodach.  Plötzlich ein großes Geschrei. Eine Frau kommt auf uns zugelaufen und beschimpft uns lauthals, dass wir Fotos machen. Ich Versuche ihr zu erklären, dass ich doch lediglich unsere Auto mit unserem Rollstuhl fotografiert habe, daran kann doch nichts falsch sein……
(Anmerkung von Michael: Vielleicht erkennt Stephan hier mein tägliches Brot, und die Mühen für manches Bild dort)

Nach einiger Zeit beruhigt sie sich und er stellt sich herraus sie ist die Schuldirektorin der Schule. Sie hat sehr schlechte Erfahrungen gemacht mit Leuten die ihre Kinder fotografieren. Oft werden dann im Namen dieser Kinder Spenden eingesammelt die aber dann nicht die Schule erreichen.

Nach einigem hin und her stellt sich heraus dass ich sogar ihren Ärger verdient habe. Ich habe bereits zweimal jemand zu Benjamin geschickt der dann jeweils mir zu liebe Fotos gemacht hat. Dies aber nicht vorher mit der Schulleitung abgesprochen hat. Nachdem die Schulleiterin begriffen hat dass ich vielleicht ein Geldspender sein könnte nimmt das Gespräch ein sehr viel positiveren Verlauf. Ich darf mir die Schule anschauen und werde sogar aufgefordert Fotos zu machen. Was ich sehe bricht mir das Herz. Die Kinder schlafen auf nackten Matratzen, nicht jeder hat ein Moskitonetz und viele besitzen nur die Kleider die sie auf dem Leibe tragen.
Die wichtigste Bitte der Schulleitung ist aber nicht Geld, sondern weiße klappbare Blindenstöcke die man scheinbar nur in Deutschland bekommt. Ihre bisherige Quelle ist vor einigen Jahren versiegt und sie hat ähnliches auch in den USA noch nicht entdecken können. Ich verspreche ihr mich um zu schauen.

Auf geht’s zu Roseline. Sie ist Teil unserer Organisation und mir im Laufe der der Zeit sehr ans Herz gewachsen. Sie betreut ein etwas auffälliges Kind (Caleb) dass in Deutschland sicherlich spezielle Förderung bekommen würde. Ich ermögliche diesem Kind wenigstens einen regulären Schulbesuch. Auch für ihn hatte ich ein kleines Geschenk dabei, auch sein Geschenk ist natürlich in den Koffern.
Beim letzten Mal hatte ich Roseline ein Trockenapparat mitgebracht. Diesmal überrede ich sie gezuckerte Ananas zu trocknen. Obwohl die hier wachsen kennt das keiner. Ich bin gespannt ob das etwas wird.

Es ist Abend geworden und ich muss wieder vor den Mücken flüchten. Selbst im Haus meines Gastgebers bin ich nicht sicher und verkriechen mich in meinem Zimmer unter das Fliegen Gitter. Hier wundern sich alle dass ich meine Mückenphobie so stark auslebe. Wenn die wüssten wie stark die Mücken mich lieben 🦟 ……

Tag 4

Nachdem wir wieder nichts über unser Gepäck herausfinden können gehen wir Kebbeh’s Familie besuchen. Die gesamte Großfamilie hat sich zusammen gefunden um mich zu begrüßen. Ich erkläre erneut vor allem die Erkrankung die es bei dem kleinen Mädchen zu behandeln gibt und die insgesamt doch sehr schwierige Prognose. Die Vorstellung was westliche Medizin kann grenzt an das magische. Ich muss hier unbedingt vor Zeugen die Erwartungen dämpfen. Danach bekomme ich von der Familie ein Geschenk  überreicht dass mich etwas ratlos macht. Ein Ballen Stoff. Erst später erklärt mir meine Gastfamilie dass ich daraus Kleidung schneidern lassen soll. Sie bringt so gleich die Sachen zum Schneider und schon am nächsten Morgen ist Kasak und Hut fertig. Ich überreiche Kebbeh’s Familie mein Geschenk, ein Telefon und Solar Ladegerät damit sie mit der Tochter kommunizieren können.

Weiter geht es zu einem für mich ganz besonderen Ort in Liberia. “His Safe Haven”, eine Gruppensiedlung für geistig Behinderte Kinder. Dort bringe ich eine Hand Waschmaschine und einen Rollstuhl hin. Die Handwaschmaschine hatten wir bereits vor einem Jahr nach Liberia gebracht. Der Rollstuhl ist erstaunlicherweise als einziges Gepäckstück aus Deutschland mit mir angekommen. Mit Freude werden die Geschenke entgegengenommen und sofort zusammengebaut. Kebbeh die uns begleitet hat aber nur Interesse an der Schaukel. Viel zu selten hat sie die Gelegenheit eine Schaukel zu benutzen.  Im Nu ist die zur Verfügung stehende Zeit verflogen. Wir müssen so rechtzeitig aufbrechen dass wir nicht im Dunkeln fahren. Das ist hier viel zu gefährlich.  Auf der Rückfahrt schläft Kebbeh in meinen Armen ein. Erstaunlich wie die kleinen Sachen die wirklich wichtigen sind 🙂.

Tag 5

Der Tag beginnt ganz ruhig. Außer Kebbeh hat heute morgen keiner Zeit für mich. Ich genieße die Ruhe, lese etwas, höre ein Podcast und spiele mit Kebbeh.

Plötzlich wird es hektisch, David kommt angesprungen und erklärt das für einen Flug am Sonntag heute am Donnerstag der Abstrich statt finden muss. Um 16.00 Uhr macht die Abstrichstelle zu und die befindet sich auf der anderen Seite der Stadt. Mit dem Auto ist das nicht zu schaffen.  Was nun? Bevor ich richtig verstanden habe was los ist, sitze ich mit Kebbeh zu dritt auf einem Motorrad. Kein Helm, keine Schutzkleidung und das bei diesem verrücktem Verkehr.  David versucht mich zu beruhigen, Sein Bruder würde das Mottorrad fahren, das soll mich beruhigen?

Wenn ihr mich laut Beten hören wollt, setzt mich einfach in Liberia auf ein Motorrad. Verrückter Verkehr, total waghalsige Motorradfahrer und kein Gesundheitssystem……. Hat aber irgendwie auch Spaß gemacht, zumindestens als es vorbei war 😊
(Anmerkung von Michael: Es gab eine ähnliche Situation, in der ich mit einem Mopped dort fahren musste – Resultat – Stephan und ich sprachen 2 Tage nicht mehr miteinander – Kann hier jetzt nur mit dem Kopf schütteln…!)

Bei der Abstrichstelle typisch Liberia. Lang Schlangen, keine erkennbare Logik im Ablauf, völlige Mißachtung aller Covidregeln vor der Tür, die eigentliche Abstrichstelle drinnen aber vorbildlich. Wahrscheinlich von einem externen Berater eingerichtet.  Bringt aber nichts wenn alle vor der Tür aufeinander hängen ohne Maske…. Die Rückfahrt im Auto ( hatte David in der Nähe geparkt) ist dann weit unspektakulärer, langes stehen im Stau.

Ich nutze die Gelegenheit von den vorbeilaufenden mobilen Händler allerlei Unbekanntes zu probieren. Das meiste ist für mich viel zu süß 😐. Zusätzlich versuche ich Kebbeh beizubringen wie man Kaugummi-blasen macht, es gelingt keinem von uns… Abends verbringe ich auf der Terrasse, probiere Zuckerstange aus ( einfach nur faserig und süß) und schaue den Mädchen zu wie sie Fotomodell spielen.

Irgendwie war es ein schöner Tag, ich hoffe aber das meine Koffer morgen ankommen. So langsam fällt meine einzige Tasche auseinander.

Tag 6“

Die Tage beginnen immer langsam aufstehen und frühstücken mit David. Die anderen werden nicht zum Frühstück eingeladen und scheinen nach uns zu essen. Oft sehe ich sie später Sachen essen die wir übrig gelassen haben. Das gemeinsame Essen einer Familie scheint hier nicht üblich, oder aber ich bringe alles durcheinander. Ich bekomme es nicht heraus.
(Anmerkung: Wie unsere Erfahrungen in der Vergangenheit bereits zeigten, und mir (Michael) unser guter Freund Joseph mal erklärte, geht es bei der Reihenfolge beim Essen, schlichtweg um soetwas wie Rang und Ehre, Oberhäupter und Verdiener essen zuerst, danach dann Frauen und Kinder. Allerdings muss man dazu sagen, dass die Kinder meistens bei der Zubereitung schon anwesend sind, und es immer vorher schon gegessen wird…wer nascht denn nicht am liebsten aus dem Topf)

Nach dem Essen scheint  erstmal einige Zeit nichts zu passieren,  völlig  unabhängig von unseren Plänen am Vortag. Gegen Mittag erscheinen alle und nach einiger Zeit brechen wir auf. Kaum losgefahren stehen wir im Stau und alle sind sich einig das wir bei dem Verkehr unseren Pläne nicht schaffen werden. All das wiederholt sich ähnlich an jedem folgendem Tag. Wir besuchen die neugebaute Schule von Josef und einem der Leiter unserer Organisation Pastor Quinah. Wir besuchen erneut Benjamin in der Blindenschule und Roseline bei der das Kind das ich unterstütze ( Caleb) wohnt. Alle bekommen kleine Geschenke und eigentlich ist immer zu wenig Zeit da wir spätestens vor der Dämmerung wieder zu Hause sein müssen. Fahren im Dunkel ist zu gefährlich und in der Dämmerung fallen die Mücken über mich her 🦟. Die Abende verbringe ich meist unter meinem Fliegengitter lesend. Alle wundern sich das ich so stark von den Mücken bedrängt werde. Die anderen werden kaum gebissen🙄.

Der Tag der Abreise ist da.

Kebbeh ist traurig das sie ihre Heimat verlassen muss und David hat keine Sekunde geschlafen. Gestern Abend sind unsere COVID-19 Testergebnisse eingetroffen und er soll pos. sein. Wir anderen sind glücklicherweise neg. Die Familie ist sehr besorgt, ich zweifele am Testergebnis, er hat keinerlei Symptome und die Krankheit ist fast nicht existent in Liberia. Wir benutze einen mitgebrachten Schnelltest und wie erwartet ist er neg. Aber was nun, mit pos Testresultat kann er nicht mitreisen. Wir beschließen es dennoch zu versuchen.  Am Flughafen haben wir beide erstmal Probleme, er wegen seinem Testergebniss und ich weil man vermutet das ich evt. ein Kind entführe. Nach langen Gesprächen darf ich gehen. Aber wo ist David. Und wo ist meine Jacke. Während ich mich umschaue ist Kebbeh plötzlich auch verschwunden. Das wird sie in nächster Zeit öfters machen, einfach wortlos verschwinden auf der Suche nach einer Toilette. Ich finde sie rasch in der Damentoilette und schicke eine Dame hinterher um zu sehen ob sie mit der Toilette klarkommt. Tut sie nicht, eine Wassertoilette ist neu für sie. Meine Jacke mit allen Papieren habe ich im Auto vergessen so das der Fahrer wieder umkehren muss um sie mir zu bringen. Ich finde David. Er hat einen Ausweg gefunden. Gegen eine horrende Summe will man ihn durchlassen. Wir Plundern unsere Bargeldreserven und hoffen das wir nicht im Gefängnis landen. Und es klappt, plötzlich scheinen alle David zu kennen und winken ihn durch. Kebbeh ist wieder da und auch meine Jacke wird gebracht also auf zum Zoll. Hier werde ich aber anders als David nicht durchgelassen. Es folgen endlose Befragungen wegen Kebbeh die ich doch alle schon beantwortet hatte…. Endlich darf ich durch und mit Kebbeh in‘s Flugzeug. Jetzt folgen bange Stunden. Was passiert wenn David in Ghana ankommend wieder pos testet?
Aber wir lagen richtig, sein Test fällt neg auf, er darf einreisen.
Ghana ist überraschend sauber, modern und gut organisiert. Wir werden von einem Freund ( Pastor Samuel) abgeholt, buchen im Hotel ein und gehen Essen. Kebbeh bekommt den ersten Hamburger 🍔 ihres Lebens und ist gar nicht begeistert. Sie nippelt nur am Fleisch. Die Portionen hier sind gigantisch und wohlschmeckend haben aber bei mir den Effekt das ich die halbe Nacht auf der  Toilette verbringe. Das entwickelt sich zur Herausforderung da das Toilettenpapier rasch aufgebraucht ist und die Toilettenspülung etwa nur alle Dreiviertelstunde wieder mit ausreichend Wasser spült. Aber irgendwie geht die Nacht herum und ich bin gespannt was der morgige Tag bringt……

Um es kurz fassen, es folgte die typisch deutsche Bürokratie, am anderen Ende der Welt…
Aber…das Schengen Visum wurde erteilt…auf geht es nach Deutschland….

Wie es hier weiter geht….
…da fragt am besten Stephan…
er wird es euch erzählen!

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2021 teamwork africa – germany e.v.

Thema von Anders Norén