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2 Monate in Deutschland

Kebbeh ist jetzt schon zwei Monate bei uns. So langsam kehrt etwas wie Normalität ein.
Sie versucht immer noch sich an die völlig fremde deutsche Mentalität zu Gewöhnen und wir versuchen mit ihren Stimmungsschwankungen klar zu kommen.
Selbst die kleinsten Geschenke führen zu staunen und Euphorie, meistens auch zu euphorischen anrufen nach Liberia um über ihre neuesten Besitztümer zu berichten um dann aber gleich darauf nach Ende des Gespräches in ein tiefes Loch zu fallen wegen Einsamkeit und Heimweh.


Sie vermisst ihre Familie, die lachenden freundlichen Menschen in Liberia und insbesondere die vielen Kinder mit denen man jederzeit spielen konnte. 

Deutsches Essen ist ihr nicht geheuer und selbst die Idee dass man morgens, mittags und abends unterschiedliche Sachen ißt,  ist ihr fremd. Wenn man sie fragt was sie zum Frühstück möchte hätte sie gerne Reis und Fisch, Brötchen ißt sie dagegen eher wiederwillig
Mit den Fingern essen, Eier mit Pfeffer, Nudeln mit Mayonnaise oder Mandarinen mit Salz, findet sie völlig normal.
Seit dem wir im afrikanischen Laden in Gummersbach waren und im Internet ein wenig über afrikanisches Essen gelernt haben,  funktionieren die gemeinsamen Mahlzeiten lang  schon etwas besser.

Abends eine Geschichte vor dem schlafen vorlesen war ihr anfangs sehr suspekt, inzwischen fordert sie die Geschichte aber schon ein.
Da Sie noch nie in einer Schule war kann sie leider nicht selber die Geschichten lesen. Und selbst wenn sie lesen könnte würde sie die Geschichten nicht verstehen. Sie hatte noch nie etwas von einem Pferd, einer Eisenbahn einem Stundenplan oder einem Kirchturm etc. gehört. Geschichten vorlesen bedeutet hier auch immer sehr viel erklären.

Neben all diesen interkulturellen Schwierigkeiten muss auch noch die medizinische Seite bewältigt werden.
Inzwischen haben wir die gesamte Diagnostik schon fertig und uns in mehreren Universitätskliniken vorgestellt. Die Uni in Münster scheint die meiste Erfahrung mit dieser Art von Erkrankung zu haben so dass wir hier schlussendlich um einen Termin gebeten haben.
Auf die Idee sind aber schon viele vor uns gekommen so dass hier eine sehr sehr lange Warteliste besteht.
Aber auch hier passiert wieder ein kleines Wunder (wie schon viele vorher) Professor Rödel zieht Kebbeh vor da sie aufgrund ihrer Infektion nicht so lange warten kann. Und auch das Geld das wir inzwischen durch Spenden gesammelt haben reicht fast genau um die anstehende Vorauszahlung zu leisten.

Auch von Seiten der Bürokratie läuft es. Das Amt für auswärtige Angelegenheiten scheint voll von netten Menschen zu sein die uns durch den bürokratischen Dschungel helfen damit Kebbeh  bis zur Genesung in Deutschland bleiben kann.

Auch wenn die äußerlich erkennbare Sachen viel besser laufen als wir eigentlich gedacht hätten plagen mich oft Zweifel ob wir hier tatsächlich das richtige tun. Wir verlangen von diesem kleinen Mädchen in kurzer Zeit so unheimlich viel und sehen wie sie leidet. 
Vor zwei Tagen hat sie mich jedoch umarmt und erklärt dass sie wirklich wirklich hofft dass sie mich eines Tages beim Hundespaziergang begleiten kann…..
Ich weiß nicht ob wir das schaffen, aber wir sind wild entschlossen hart dafür zu kämpfen…..!

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